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Sozialpädagogisches Konzept der Realschule plus und Fachoberschule Konz

Konzept zur sozialpädagogischen Arbeit an der Realschule plus und Fachoberschule Konz

Entwickelt in Kooperation von

  1. Marquenie (Realschule plus und FOS Konz, Pädagogische Fachkraft )
  2. Stablo (Realschule plus und FOS Konz, Pädagogische Fachkraft )
  3. D. Dewald ( Jugendnetzwerk Konz, Schulsozialarbeiter

Konz im  November 2012

Inhaltsverzeichnis

Vorwort    
Einleitung    
Allgemeines Lebensraum Schule Klassenräume
Schulhof
Präventionsleitfaden




Primärprävention


Klassenstufe 5/6
Klassenstufe 7/8
Klassenstufe 9/10
Sekundärprävention  
Konfliktbüro  
Konfliktmanagement Eskalationsstufen (ES)
Vorgehensweise ES1
Vorgehensweise ES2
Vorgehensweise ES3
Einbindung KonBü
SCOT - Self Control Training
Interventionsleitfaden Vorgehen bei Verdacht der Kindeswohlgefährdung Ablaufschema
  Indikatoren der Kindeswohlgefährdung
Vorgehen in Krisensituationen Intervention bei Schulabstinenz

Das gesamte Konzept kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.


 

Vorwort:

Schule stellt den zentralen Lern- und Lebensort junger Menschen dar. Deshalb ist es obers­tes Gebot für Schule, Eltern, Schulsozialarbeit und weitere relevante Akteure diesen Ort für junge Menschen möglichst positiv zu besetzen. Die ständige Erhaltung und Verbesserung eines guten Schulklimas sollte für alle Beteiligten erstes Ziel der täglichen Arbeit sein.

Natürlich ergeben sich durch die Veränderung der Schule hin zu einer ganztägigen Schule und dem Anspruch, der Integration einer heterogenen Schülerschaft gerecht zu werden, vielfältige Herausforderungen. Gerade hier gilt es durch die Entwicklung ausgereifter Kon­zepte, durch eine gut strukturierte Vorgehensweise und der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe Möglichkeiten zu eröffnen, das Klima an der Schule positiv zu beeinflussen.

Durch eine früh ansetzende, konsequente und qualitativ hochwertige primäre Präventions­arbeit kann es gelingen, negativ wirkende Faktoren zu reduzieren sowie positive Faktoren zu stärken.

Ziel diese Konzeptes ist es, eine für alle Beteiligten gültigen Leitfaden zu entwickeln, der die Zusammenarbeit in und die Umsetzung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen strukturiert, um so eine Handlungssicherheit zu gewährleisten und über eine regelmäßige Evaluation der Arbeit auch die Qualität dieser sicherzustellen.

Das sozialpädagogische Konzept der Realschule plus Konz knüpft mit seinen Inhalten an das Förderkonzept der Schule an, ergänzt dieses und wird wiederum durch spezielle Einzelkon­zeptionen für bestimmte Angebote ergänzt.


 

Einleitung

Das sozialpädagogische Konzept stellt das Dach dar, unter dem alle sozialpädagogischen Maßnahmen, die im Kontext Schule ablaufen, zusammengefasst werden (siehe Abb.1). Dabei ist das Fundament des Konzeptes eine enge Kooperation zwischen Schülern, Schule, Eltern, Schulsozialarbeit und weiteren Akteuren im Sozialraum. Wie sich diese Kooperation darstellt und wie die jeweiligen Ressourcen optimal genutzt werden können, soll in diesem Konzept beschrieben werden. Obers­tes Ziel der sozialpädagogi­schen Arbeit ist immer die Förderung, Erreichung und Erhaltung eines positiven Schulklimas. Das eigentliche Konzept baut sich aus zwei zentralen Säulen auf.  Im Vordergrund des Konzeptes steht die Präventionsarbeit im System Schule, die sich wiederum in Primärpräven­tion und Sekundärprävention aufteilt. Im Bereich der Primärprävention sollen für die jeweiligen Klassenstufen feste Maß­nahmen und Inhalte implementiert werden, die zum einen das soziale Verhalten der Schüler positiv beeinflussen und ihnen zum andern klare Zukunftsperspektiven eröffnen sowie eine realistische Lebensplanung ermöglichen. Der Bereich der Sekundärprävention greift dann, wenn es gilt unsozialem und abweichendem Verhalten zu begegnen sowie bestehende Kon­flikte zu bearbeiten. Als zentralen Bestandteil dieser sekundärpräventiven Arbeit ist an die­ser Stelle das an der Realschule plus und FOS Konz entwickelte Modell des Konfliktbüros zu nennen. Hier bearbeiten ausgebildete Referenten der Konfrontativen Pädagogik gemeinsam mit den Schüler abweichendes Verhalten und suchen nach Handlungsalternativen, um wie­derum zu einem positiven Schulklima beizutragen.

Zweites Ziel des Konzeptes, das dem Interventionsleitfaden zugrunde liegt, ist eine gut struk­turierte, koordinierte und  qualitativ hochwertige Interventionsarbeit in Krisenfällen. Krisen­hafte Situationen im Kontext Schule bedürfen hierbei einer zeitnahen Bearbeitung, damit das zu gewährleistende Kindeswohl nicht gefährdet wird. Die Inhalte des Interventionsleitfa­dens sind zunächst ein Ablaufplan wie bei Verdacht einer Kindeswohlgefährdung vorzugehen ist und was entscheidende Indikatoren sind. Als zweites wird die konkrete Intervention und Zuständigkeit in Krisensituationen beschrieben sowie eine Interventionsbeschreibung im Falle von Schulabstinenz vorgegeben.


 

Allgemeines

Lebensraum Schule:

Wir als Schulgemeinschaft verstehen die Gebäude und Außenanlagen als Lebensraum, der in  Gemeinschaft gepflegt und gestaltet wird.
Klassenräume, Flure, Gebäude und Außenanlagen sowie Schulhof  sollen Lern- und Lebens­atmosphäre fördern. Hierzu sehen wir uns in einer Verantwortungsgemeinschaft zwischen Schüler/innen, Schule und Eltern.
Ziel ist es, durch gemeinsame Projekte und einen verantwortlichen Umgang die vorhande­nen Strukturen zu erhalten und zu verbessern.

Klassenräume

Die Klassenräume werden durch die Klassen gestaltet. Hier ist es in der Verantwortung der Klassenleitung, gemeinsam mit der Klasse und in Absprache mit der Schulleitung Raumkon­zepte zu erstellen. Die Gestaltung sollte durch die Klassengemeinschaft in Einbeziehung ver­schiedener Ressourcen (z.B. Elternschaft) vorgenommen werden. Ein Teilziel dieser Projekte kann auch die Förderung der Klassengemeinschaft sowie die persönliche Identifizierung der Schüler- und Elternschaft mit der Schule sein.

Schulhof

Der Schulhof als zentraler Bewegungs-, Erholungs-, Natur- und nicht zuletzt Lernraum für Schüler/innen ist von besonderer Wichtigkeit zur Gestaltung eines positiven Lebensraums Schule. Ziel ist es hier, den verschiedenen Bedürfnissen von Schüler/innen und Schule ge­recht zu werden.
Im Rahmen eines langfristig gedachten Konzeptes sollen auf dem Schulhof sukzessive Räume für Bewegung, Spiel, Ruhe und Lernen geschaffen werden.

Bewegungsraum Schulhof

Auf dem Schulhof muss Platz für Bewegung sein, es muss Angebote geben, um  Schü­ler/innen mit heterogenen Interessen, unterschiedlichen motorischen Voraussetzungen und Bedarfen anzusprechen.
Neben Raum für klassische Sportspiele wie (Fußball, Basketball, Tischtennis usw.) ist es unser Streben, weitere Reize zur Verbesserung von motorischen und koordinativen Fähigkeiten zu setzen. Hierfür haben und werden wir Kletter- und Balanceelemente in den Schulhof integ­rieren.

Erholungsraum

Durch Sitzmöglichkeiten, Beschattung und  Bepflanzung sind Ruhezonen auf dem Schulhof vorgesehen. Die Schüler finden hier Raum zum Entspannen und zum persönlichen Aus­tausch.

Naturraum

Begrünung und Auflösung von Betonflächen ist eine Intention der Schulhofgestaltung. Schüler sollen durch Gestaltung und Pflege von  Naturräumen ihren Bezug zu Pflanzen und Tierwelt vertiefen. Auch der verantwortliche Umgang mit der Umwelt ist hier ein Lernziel.

Lernraum

Schon die zuvor genannten Teilaspekte bieten viele Anreize für Schüler/innen, die zum Ler­nen auf verschiedensten Ebenen führen. Sowohl in den Bereichen des motorischen, des so­zialen wie auch des umweltpädagogischen Lernens.

Zudem ist aber auch Ziel, dem Bildungsauftrag der Schule mit einem „grünen Klassenzim­mer“ gerecht zu werden. Hier soll ganzen Klassengemeinschaften Freiraum gegeben werden, um schulische Inhalte in frischer Luft und unter freiem Himmel näher gebracht zu bekom­men.


 

Präventionsleitfaden

Präventionsarbeit ist ein zentrales Anliegen der sozialen Arbeit an der Schule. Der Fokus der Präventionsarbeit liegt dabei auf der Primärprävention.  Primärprävention heißt, dass die Schüler/innen in ihren Ressourcen soweit gestärkt werden sollen, dass es nicht zu sozialun­verträglichem oder selbstschädigendem Verhalten kommt.

 


 

Primärprävention

Die Primärprävention ist eine Prävention,  die die individuelle Persönlichkeit der einzelnen Schüler so stärken soll,  dass sie in ihrem sozialen Umfeld kompetent handeln können, Kon­flikte lösen können und stark sind gegen die von Süchten ausgehenden Gefahren.
Zur Koordination soll der Klassenlehrer einen Terminplan für die Präventionsangebote am Anfang des jeweiligen Schuljahres erstellen und mit den entsprechenden Kooperationspart­nern  absprechen.

Klassenstufe 5/6:

Gruppenfindung:

Die fünften Klassen sind in der ersten Schulwoche nach den Ferien mit ihren Klassenlehrern zusammen, dabei besteht die Möglichkeit nach Absprache mit dem Schulsozialarbeiter gruppenpädagogische Spiele anzubieten, um die Gruppenfindung positiv zu beeinflussen.

Sozialkompetenztraining

Unterstützung durch: Schulsozialarbeit, Fachlehrer Religion und Pädagogische Fachkräfte.

Primärprävention in der Klassenstufe 5/6 steht unter der Prämisse der Entwicklung des Selbstkonzeptes und der Sozialkompetenz.

Die Einführung eines Klassenrates und das Lösen von Konflikten im Klassenverbund ist Aufgabe des Klassenlehrers, hier kann dieser von der Schulsozialarbeit unterstützt werden.  Wichtig ist, dass im Unterricht regelmäßig Raum für den Klassenrat geschaffen wird.

Klassenstufe 5

Für die fünften Klassen soll zusätzlich ein Sozialkompetenztraining angeboten werden. Die­ses kann für die GTS-Klassen das Programm ProPP sein, für die HT-Klassen kann dies auch ein reduziertes Angebot sein, was auf die Bedürfnisse  des Halbtagsunterrichts angepasst ist (z.B. zehnstündiges Training nach Beck, Cäsar Leonhart).

Ziel der Primärprävention in der fünften Klasse ist die Stärkung der Schüler/innen in:

  • ihrem Selbstkonzept → Umgang mit sich Selbst
  • Ihrer Sozialkompetenz → Umgang mit dem Anderen
  • Ihrer Konfliktbewältigung → Umgang in der Gruppe¹

Die Durchführung des Präventionsprogramms liegt dabei in den Händen des Klassenlehrers.  Für die Ganztagsklassen stehen dem Klassenlehrer für das ProPP-Programm zwei Schulstun­den pro Woche zur Verfügung. Die Halbtagsklassen bauen ProPP oder ein ähnliches Sozial­kompetenztraining mit je einer Wochenstunde im zweiten Halbjahr in den Unterrichtsplan ein und machen im Rahmen der Projektwoche eine intensive „Klassenklima-Woche“ mit den Inhalten des ProPP-Programms. Bei der Durchführung der Inhalte des Programms kann der Klassenlehrer durch die Pädagogischen Fachkräfte und die Schulsozialarbeit sowie die Fachlehrer Religion unterstützt werden.

Klassenstufe 6

Je nach Stundenbudget sollte das ProPP-Programm auch in der sechsten Klasse durch den Klassenlehrer weitergeführt werden.

In der Klassenstufen 6 ist der erste Baustein des Präventionsprojektes neue Medien anzusie­deln und mit Unterstützung durch das Team Medienkompetenz sowie den Klassen- bzw.  Fachlehrer durchzuführen.

Hierzu gehört auch der Elternabend „Gute Seiten, schlechte Seiten“.


 

Klassenstufe 7/8

Neben der schon fokussierten Arbeit am Selbstkonzept sowie der Sozialkompetenz soll im siebten und achten Schuljahr im Rahmen der Primärprävention der Beginn einer Lebenspla­nung  und eine themenspezifischeren Prävention in Bezug auf Sucht und Gewalt stattfinden.

In diesen Klassenstufen findet die Ausbildung zum Streitschlichter statt.

Klassenstufe 7

Wandertag mit erlebnispädagogischen Elementen, Gestaltung durch Klassenlehrer, Schul­sozialarbeiter und Pädagogische Fachkräfte, Terminfindung durch Klassenlehrer.

Lebensplanung für Schüler als Vorbereitung zur Berufsorientierung und zur Aufwertung bzw. bewussten Wahl des berufsorientierten Schulzweiges . Durchführung und Planung durch Klassenlehrer und Schulsozialarbeiter, evtl. Hinzuziehen externer Akteure.

Anfertigung eines Lebensplanungs-Portfolios.

Berufsorientierung:

Praxistag:  Die Verantwortung liegt bei der Koordinatorin für Berufsorientierung.

Sucht- und Gewaltprävention:

Projekt Pit soll durch Klassenlehrer in Kooperation mit Schulsozialarbeit und den ausgebilde­ten Pit-Lehrern (Pit-Team) stattfinden.

Präventionsprojekt Neue Medien II durch Medienkompetenzteam und Klassenlehrer bzw. Fachlehrer.

Klassenstufe 8

Für die beiden berufsbezogenen Klassen der Klassenstufe 8 wird am Anfang des Schuljahres (zweite Woche nach den Sommerferien) eine jeweils dreitägige, mit erlebnispädagogischen Inhalten versehene Tour angeboten. Das Konzept hierzu ist von der Schulsozialarbeit ge­meinsam mit der Schulleitung ausgearbeitet worden und bedarf der Unterstützung durch die Pädagogischen Fachkräfte und die Klassenlehrer (siehe Anhang Erlebnistour 8.Klasse).

Boys-Day

Projekt der Schulsozialarbeit, Workshop für Jungen und junge Männer, die Interesse an sozi­alen Berufen haben.

Girls-Day


 

Klassenstufe 9/10

Die Primärprävention in Klassenstufe  9/10  ist hauptsächlich auf die Eröffnung von Zu­kunftsperspektiven ausgerichtet und soll im Rahmen der Lebensplanung und Berufsorientie­rung Möglichkeiten für den Übergang aus der neunten bzw. zehnten Klasse in die Berufswelt bzw. in weiterführende Schulformen eröffnen.

AG Junge Männer in sozialen Berufen

Arbeitsgemeinschaft der Schulsozialarbeit, die eine Brücke für Jungen und junge Männer in soziale Beruf schlagen soll.


 

Sekundärprävention

Trotz intensiver primärpräventiver Arbeit wird es in einem sozialen Gefüge, wie es die Schule ist, auch zu unerwünschten Vorfällen und Konflikten kommen. Um diesen zu begegnen und den Schülern und Schülerinnen Handlungsalternativen für ihr konflikthaftes Verhalten zu geben, soll neben eventuellen Ordnungsmaßnahmen der Schule auch immer ein sekundär­präventives Angebot erfolgen, das zukunfts- und lösungsorientiert mit den Konfliktparteien arbeitet.

Im Rahmen dieser Konfliktmanagementstrukturen gibt es neben den institutionell vorgege­benen Strukturen des Klassenlehrers, der Schulleitung und der Schulsozialarbeit  weitere Instrumente, die zur Bearbeitung der Konflikte an der Schule zu installieren und zu pflegen sind.

Klassenrat:
Der Klassenrat ist ein Instrument, um klassenintern Konflikte zu bearbeiten. Un­ter der Moderation der Klassenleitung oder des Klassensprechers können hier kleinere Kon­flikte bearbeitet werden.

Streitschlichtung:
Die Streitschlichtung ist ein weiteres schülerinternes Instrument der Kon­fliktbearbeitung. Hierbei agieren bei Konflikten speziell ausgebildete Schüler/innen in einer Mediatorenrolle. Die Schüler erhalten in diesem Zusammenhang Unterstützung und „Super­vison“ durch fachkundiges Lehrpersonal.

Konfliktbüro:
Das Konfliktbüro ist eine spezielle Einrichtung an der Realschule plus und FOS Konz. Mit diesem einem Trainingsraum ähnlichen Konzept werden latente und gravieren­dere Konflikte auf einer konfrontativpädagogischen Ebene bearbeitet. Das Konfliktbüro wird von entsprechend ausgebildeten Lehrkräften und der Schulsozialarbeit betreut.

Neben diesen schulinternen Konfliktbearbeitungsinstrumenten gibt es immer die Möglich­keit, schulexterne Partner in die Bearbeitung von Konflikten einzubeziehen.

  • Eltern
  • Schulsozialarbeit
  • Schulpsychologischer Dienst
  • ASD/Jugendamt
  • Polizei/Haus des Jugendrechts
  • weitere Hilfen

Modell des Konfrontatlven Gespräches" (nach Zissener)

Das Konfrontative Gespräch wurde speziell für die Konfliktgespräche entwickelt, bei denen in der Regel beim Gesprächspartner eine Sekundärmotivation (durch andere aufgefordert zum Gespräch) vorliegt. Der Gegenüber möchte nicht mit uns sprechen, oder es ist ihm unange­nehm mit uns zu sprechen, oder eine Verurteilung zwingt ihn mit uns zu sprechen. Ohne ein Gespräch können die Konflikte jedoch nicht bearbeitet werden und ohne Bearbeitung verändert sich nichts an der Situation. Diese These beruht darauf, dass die einzige pädagogische Interventions­möglichkeit die Kommunikation darstellt (Kommunikation, das „In­strument“ des Pädagogen).

Grundlagen für die Kommunikation im Konfrontativen Ge­spräch ist das Säulenmodell nach Zissener/Konschak. In diesem Modell werden die wichtigsten Ebenen, die Ein­fluss auf unser Handeln/Verhalten und damit auf unsere Kommunikation nehmen, dargestellt.

Es gibt insgesamt sieben Ebenen innerhalb des Modells:

  1. Sachebene
  2. Handlungsebene
  3. Motivebene
  4. Gefühlsebene
  5. Beziehungsebene
  6. Verantwortungsebene
  7. Kognitive Ebene

Diese Ebenen bestimmen die Kommunikation innerhalb der Bearbeitung von Gesprächen jeglicher Art, besonders derer mit sozio-emotionalen Inhalten (z.B. Konflikt- oder Lobgesprä­che, Mitarbeiter-gespräche usw.).

Die Grundhaltung für diese Form der Kommunikation ist, dass wir keinerlei persönliche Wertung und Beurteilung der Personen und der Situation abgeben. Auch werden Rat­schläge, Vorschläge und Lösungsmuster vermieden. Einzig die ausdrückliche Erlaubnis oder Bitte des Gegenübers, berechtigt Ideen und Überlegungen kundzutun.

Grundsatz im Konfrontativen Gespräch ist:

  • Wir konfrontieren niemals die Person, jedoch immer ihr Verhalten!
  • Werden Grenzen verletzt, muss durch wohlwollende und wertschätzende Konfrontation interveniert werden, denn:
    Benehmen, das du ignorierst, ist Benehmen, das du erlaubst!

Funktionsweise des Konfrontativen Gesprächs (Säulenmodell)

Gesprächsstruktur und Merkmale

Gesprächseinstieg:

Grundlage für die Chance auf ein erfolg­reiches Gespräch bildet der Gesprächsein­stieg. Diesem kommt eine fundamentale Bedeutung zu. Die Grundhaltung sollte immer wohlwollend und wertschätzend sein, egal aus welchem Anlass das Ge­spräch geführt werden muss. Das Begrü­ßungsritual wirkt sich entscheidend auf den Gesprächsverlauf aus. Bevor in die Gesprächsinhalte eingestiegen wird, sind wichtige Gesprächsstrukturen und Rege­lungen zu klären. Die klaren und einfachen Gesprächsregeln, der Anlass und das Ziel sind darzulegen. Außerdem ist  die Bereit­schaft aller Beteiligten, das Gespräch füh­ren zu wollen, abzufragen.

Hinweis:

Sollte die Gesprächsbereitschaft nicht vorliegen, empfiehlt es sich, das Gespräch nicht zu führen. Dies darf jedoch keine Möglichkeit für das Gegenüber sein, sich einer Bearbeitung des Konfliktes/Problems zu entziehen. Es muss ein Gesprächstermin gefunden werden, an dem alle Beteiligten bereit sind, das Problem und seine Bearbeitung anzugehen. Gespräche mit Beteiligten zu füh­ren, die keinerlei Gesprächsbereitschaft zeigen, sind in keiner Weise zielführend. In aller Regel führen diese Gespräche zu keinem Ergebnis. Oftmals werden nur Scheinergebnisse (Vereinbarungen oder Aufforderungen, die nur besprochen werden, um schnellstmöglich die Gesprächssituation zu verlassen) erreicht, die bei einer genaueren Reflektion keiner Überprüfung standhalten.

Phase 1 - Sach- und Klärungsphase

Nach dem Gesprächseinstieg beginnt die Phase 1 des eigentlichen Gesprächs. In dieser Phase geht es ausschließlich um die Klärung der Sachverhalte. Es werden emotionale sowie kognitive Sachverhalte innerhalb des Konfliktes angesprochen. Durch evolutionäre Fragen, aktives Zuhören und das "Genauern" von "Sprachbildern" wird der Sachverhalt sowie die Handlung, das Erlebnis und die Gefühlseindrücke des Konfliktes/Problems erarbeitet und deutlich gemacht. Zu beachten ist in dieser Phase, dass nicht mit Verallgemeinerungen und Generalisierungen beim Gegenüber gearbeitet wird. Auch werden immer wieder Vermei­dungstechniken, Bagatellisierungen und alle Ungereimtheiten zu hinterfragen sein. Recht­fertigungen und Vermeidungsstrategien werden nicht zugelassen.

Die Bearbeitung kann alle Ebenen des Säulenmodells ansprechen, muss dies jedoch nicht zwingend tun. Liegen alle notwendigen Aspekte offen, kann der Schritt in Phase 2 vorge­nommen werden.

Phase 2 - Mediations- und Entwicklungsphase

In der Mediations- und Entwicklungsphase gilt es nun, die gewonnene Erkenntnis aus der Sachklärung dahingehend zu führen, dass alternative Verhaltens- und Handlungsmuster durch das Gegenüber entwickelt werden können. Leicht fällt es dem Gesprächspartner zu­nächst auf einer hypothetischen Basis einen Gegenentwurf zu dem ursprünglichen Verhal­ten zu konstruieren. Weiterhin können durch evolutionäre Fragen, wie auch im Besonderen durch zirkuläre Fragen, Denkanstöße beim Gegenüber initiiert werden. Durch den Einsatz skalierender Fragestellungen werden die gewonnen Erkenntnisse differenziert und gefes­tigt. Unablässiges Ziel ist es, das Gegenüber dahingehend zu motivieren, aus eigenen Über­legungen Änderungen in seiner Haltung, seiner Konfliktlösungsstrategie und seiner Einstel­lung zu entwickeln. Hilfestellungen durch den Moderator sind nur in absoluten Ausnahme­fällen und mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Gegenübers gestattet.


Überblick zur Thematik

Aufgrund der vorausgegangenen Übungsfelder werden die Jugendlichen zunehmend befä­higt, sich konstruktiv und problembewusst an Gesprächen zu beteiligen, lernen die Wir­kung eigener Beiträge einzuschätzen, um mehr Sicherheit in aktiver Gesprächsteilnahme zu gewinnen ( Lehrplanbezug). Die bisher erworbenen kommunikativen Fähigkeiten wer­den in unterrichtlichen Situationen gefestigt und erweitert, erlernte Gesprächs- und Ver­haltensstrategien sind bewusst einzusetzen.

Motivation und Kompetenzerwartung.

Es reicht in der Regel nicht aus, sich vom Nachahmen einer Verhaltensweise Erfolg zu ver­sprechen. Zusätzlich müssen sich die Schülerinnen und Schüler zutrauen, das gesehene, ge­speicherte und auch verstandene Verhalten (Sprachverhalten) ausführen zu können. Sie werden Handlungen, die sie nicht so kompetent auszuführen vermögen, .eher unterlassen, in denen sie sich kompetent fühlen, bevorzugt zeigen.

Hier spricht man von Kompetenzerwartung.

Kompetenzerwartung entsteht hierbei durch: konkrete Leistung und stellvertretende Erfahrung sowie durch verbale Überzeugungen ( Sozial- kognitive Lerntheorie. A. Bandura (3)) und führt somit zu einer eher erfolgreichen Kommunikation. Besondere Beachtung verdient auch das eigene Modellverhalten der Lehrperson, es sollte ständig kritisch reflektiert werden (Lernen am Modell).

Kommunikation stellt eine Basiskompetenz dar, die im täglichen Umgang miteinander über­all stattfindet, unter anderem in der Familie, unter Freunden, in der Partnerschaft, in der Schule, bei Vorstellungsgesprächen, bei den Betriebspraktika und in der Ausbildung/ im Be­ruf. Die Kenntnis des Schülers über die kommunikativen Ausdrucksmöglichkeiten dienen dazu  Fehlverhalten zu vermeiden und führen zu einer verbesserten Selbst- und Fremd­wahrnehmung bzw. Sozialkompetenz.

Lernen findet statt, wenn Schüler sich emotional beteiligen, sie aktiv werden können, sich mit anderen auseinandersetzen und sich bei gemeinsamen Aktivitäten engagieren können. Interaktionsspiele ( Rollenspiel, Vorstellungsgespräche, Streitgespräche etc. ) erleichtern die Einführung von Kommunikations- und Verhaltensnormen, könnten den Umgang mit Konflikten vereinfachen sowie für den Jugendlichen einen Bezugsrahmen darstellen, welcher ihm gestattet, seine Lernerfahrung auf das alltägliche Leben zu übertragen. Dies soll zu ei­nem verbesserten Sozialverhalten führen.

„Das Vermitteln von· Verhaltens- und Gesprächsregeln scheint in den Familien eine zu­nehmend geringere Rolle zu spielen. In einer schwierigen Lage befindet sich ca. ein Drit­tel der Jugendlichen. Lang anhaltende Arbeitslosigkeit eines oder beider Elternteile (falls vorhanden), ein niedriger Bildungsstandard der Eltern und eine Integration in das soziale Umfeld können zu unglücklichen Impulsen für die Entwicklung der Schüler führen und verbessern nicht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt(4)“

Didaktische Analyse

1.1 Analyse der Sachstruktur

Der Konflikt (lat. confligere =Zusammenprallen, Auseinandersetzung, Zusammentreffen von gegensätzlichen Interessen, die nicht gleichrangig befriedigt werden können).

( 1.)" Nicht der Konflikt selbst ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie ich damit umgehe!

Soziale Interaktion: das wechselseitig aufeinander bezogene, aneinander orientierende und sich ergänzende Verhalten, (verbal und nonverbal), zwischen Personen, sich gegenseitig be­einflussend und steuernd, trägt maßgeblich zur Lösung eines Konflikts bei.

(2.) Aussagen zum Umgang mit Konflikten:

Der Anstieg von Gewalt an Schulen, die erhöhte Gewaltbereitschaft und Gewaltreaktionen von Schülern in Konfliktsituationen zielen auf eine zu verbessernde Kompetenz zur Kon­fliktlösungsfähigkeit hin. Die Notwendigkeit der Förderung der Konfliktlösefähigkeit  gibt sich aus den empirischen Forschungsergebnissen zur Gewalt an Schulen, ein an Haupt­schulen erprobtes und nach wissenschaftlichen Kriterien evaluiertes  Interventionspro­gramm mit Zielsetzung " gewaltfreie Konfliktlösung." (3.)         

Gerade die Elf-bis-Sechzehnjährigen Kinder und Jugendlichen sind in der sensiblen Phase der Identitätsentwicklung. Gewaltausübung dient bei vielen von ihnen dazu, die eigene so­ziale Position, das Selbst zu demonstrieren, weil einfache Handlungsalternativen fehlen. Ju­gendliche aus sozial schwächeren Schichten sind hierbei deutlich überrepräsentiert.

Quellenhinweise:
(L )Enzyklopädie Standard,
(L.) Psychologie für Fachoberschulen, S.371
(3. ) Dr. H. Kleber, Lehrstuhl Pädagogik, Erziehungswissenschaftl. Fakultät, Uni- Erlangen

(4.) Die Sprache und auch die Körpersprache sind für uns Menschen, als soziale Wesen, die ältesten Ausdrucksmittel und somit von grundlegender Bedeutung für erfolgreiche Kommunikation und Konfliktlösung. Beide Ebenen sind zu einem umfassenden erfolgreichen Informationsausgleich notwendig. Fehlverhalten und Regelverstöße innerhalb der  Klasse, gegenüber Lehrkräften und  Autoritätspersonen, machen dieses Thema weiterhin nötig. Die Lösung von Konflikten ist primär vom Verhalten der Beteiligten abhängig und wird im Ideal­fall von den Beteiligten besprochen und sollte daher gelernt und eingeübt werden. Die Kenntnisse des Schülers über tatsächliche Konfliktlösungen reichen von Gesprächen bis zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Eine Strategie, die Ausdrucksmöglichkeiten verbessert und Fehlverhalten vermeidet, führt zu einer wirklichen Selbst- und Fremdwahrnehmung welche zur Konfliktbewältigung beiträgt.

Quellenhinweise:
(4. ) Waldemar Vogelsang, Soziologe d .Universität Trier, TV v. 12.03.'08


 

Organisation des Konfliktbüros/ innerbetriebliche Einbindung

Zur Qualitätssicherung in der pädagogischen Arbeit dient das Konfliktbüro als sekundärprä­ventive Einheit des Gesamtkonzeptes.

Grundlage zur Mitarbeit im Konfliktbüro ist eine Ausbildung in der Führung von Konfrontati­ven Gesprächen.

Um dem im Anspruch der konfrontativen Arbeit gegebenen Gebot der Unmittelbarkeit und Zeitnähe nachzukommen, ist ein flexibles Personal- und Zeitmanagement unabdingbar.

Das Konfliktbüro versteht sich als Bindeglied zwischen Schülerinnen und Schülern, dem Kol­legium und der Schulleitung zur Wahrung des bildenden und erzieherischen Prozesses in­nerhalb der Schulgemeinschaft.

SCOT Self-COntrol Training

SCOT ist ein von Herrn Marquenie und Herrn Dewald angedachtes Programm, um mit sehr auffälligen Schülern zu arbeiten. Allerdings muss hier noch struktu­relle und inhaltliche Vorarbeit geleistet werden.


 

Konfliktmanagement

Die Bearbeitung von Konflikten ist ein Teilgebiet des sozialpädagogischen Handelns an der Realschule plus. Grundlage des Konfliktmanagements ist zunächst die Einordnung des Konfliktes in eine der folgenden drei Eskalationsstufen (ES).  

- ES 1 geringfügigere Vorfälle
- ES 2 massive Vorfälle
- ES 3 massivste, evtl. strafrechtlich Vorfälle

Nach der Einordnung erfolgt die Bearbeitung des Konfliktes, je nach Stufe werden verschiedene Instanzen und Hilfen eingeschaltet bzw. mit einbezogen.

Konflikte ES 1 (siehe Abb. 1) werden auf Klassen bzw. Schülerebene mit Hilfe des Klassenlehrers, der Streit­schlichtung und/oder des Klassenrates bearbeitet. Konflikte ES 2 werden durch das Konfliktbüro bearbeitet, der Klassenlehrer informiert die Eltern hierüber, je nach Konfliktlage wird die Schulsozialarbeit mit einbezogen und die Schulleitung informiert. Konflikte ES 3 werden direkt an die Schulleitung gemeldet, und es erfolgt ein sofor­tiger Ausschluss des/der Schülers/in vom Schulbetrieb. Erst nach Erfolgen eines Elterngesprächs mit Schullei­tung und Schulsozialarbeit kann der/die Schüler/in wieder am Unterricht teilnehmen, wobei gemeinsam mit Eltern, Schulleitung, und Schulsozialarbeit Auflagen für den/die Schülerin aufgestellt werden, wie z.B. ein Trai­ning bzw. eine Auseinandersetzung mit dem Konflikt im Konfliktbüro.

Eskalationsstufe (ES)

Merkmale

Intervention

ES 1. geringfügigere Vorfälle

Streitigkeiten (Beleidigungen)
weniger schwerwiegende Auseinanderset­zungen
einmaliges Stören des Unterrichtes

KL, Klassenrat,

Aufsuchen der Streitschlichtung

ES 2. massive Vorfälle

massive Beleidigung,
permanentes unangemessenes Verhalten,
Schlagen, Treten, Spucken
religiös oder rassistisch intendierte Beleidi­gungen oder Ehrverletzungen
Fremdenfeindlichkeit
Mobbing, Bullying

Konfliktbearbeitung im Konfliktbüro (KonBü) PF, SSA
FL: macht Eintrag im Klassenbuch
KL: informiert Eltern über Konfliktbearbeitung Im KonBü per Hausauf­gabenheft

Ggf. Information der SL und Gespräch mit Eltern

ES 3. massivste, evtl. straf­rechtlich relevante Vorfälle

massive Konflikte, schwere Gewalttaten,
Drogendelikte
Angriffe auf Lehrpersonal
massives Mobbing
sexuelle Übergriffe
Erpressung

Direkte Information der Schulleitung, Eltern, SSA und des KonBü, zunächst kurzfristiger Ausschluss des Schülers für den Rest des Tages.

Schulbesuch erst wieder nach Elterngespräch und in Verbindung einer Konfliktbearbeitung im KonBü gestattet.

Je nach Lage des Falles

A) Beratung und Vereinbarung von Hilfemaßnahmen bzw. Auflagen (z.B. AAT, Suchtberatung etc.)
B) Kontaktierung des Haus des Jugendrechts
C) Kontaktierung Polizei/Jugendamt

Legende für die folgenden Schaubilder:

<--------------- Konflikt   Konfliktbearbeiter
---------------> Konfliktbearbeitung   Konfliktfeld


 

Interventionsleitfaden

Intervention in Krisen beinhaltet im schulischen Kontext in seiner Grundlegung zwei Arten von Intervention. Zum einen eine Intervention in Form von Beratung und Hilfestellungen sowie eine Intervention in Form von Repressionen und Ordnungsmaßnahmen im Rahmen der Schulordnung.

Inhalt dieses Konzeptes ist dabei sowohl das Vorgehen und die Schnittstellen im Rahmen der Beratung und Hilfestellungen zu strukturieren, wie auch das Vorgehen der Schule im Rah­men der Schul– und Hausordnung zusammenzufassen. Ziel ist es, Ordnungs- bzw. Repressi­onsmaßnahmen nie isoliert erfolgen zu lassen, sondern parallel immer auch lösungsorien­tierte Beratung und Hilfestellung zu gewährleisten.

Der Interventionsleitfaden bezieht sich hierbei auf verschiedene Themen, die im Schulkon­text immer wieder auftauchen und einer sozialpädagogischen Intervention bedürfen; dieser Katalog beansprucht dabei keine Vollständigkeit.

Ein wichtiger, im Hintergrund von Interventionen zu berücksichtigender Faktor, ist die Über­prüfung einer eventuellen Gefährdung des Kindeswohls. Hierzu wurde im Rahmen dieses Konzeptes ein Leitfaden angehängt, wie beim Verdacht einer solchen Gefährdung vorzuge­hen ist. Außerdem sind mögliche Indikatoren einer Gefährdung aufgezeigt.

Kindeswohlgefährdung

Der Schutz des Kindeswohls ist als gemeinsame Aufgabe von Schule und Jugendhilfe zu se­hen. Wobei jedem professionellen Akteur seine Verantwortung für das Wohl der Kinder be­wusst sein sollte. Spätestens mit Einführung des § 8a SGB VIII haben sich in der Kinder- und Jugendhilfe verbindliche Standards und Verfahrensweisen zum Kinderschutz bei Kindes­wohlgefährdung etabliert. Deshalb stellt die Schulsozialarbeit an dieser Stelle eine sinnvolle Unterstützung für die Lehrkräfte beim Erörtern eines Verdachtsmomentes dar.

Der Gesetzgeber reagierte  mit dem § 8a auf mehrere tragische Fälle von Kindstötung in Folge einer Kindeswohlgefährdung seit den frühen 1990er-Jahren (vgl. Mörsber­ger/Restemeier 1997; Jordan 2006). Zu den Mindeststandards im Kinderschutz zählen zum Beispiel:

Abschätzung des Gefährdungsrisikos im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte, Einbezie­hung der Personensorgeberechtigten sowie des Kindes/Jugendlichen, sofern hierdurch nicht die Gefährdungslage verschärft wird, Anbieten von Hilfen, sofern diese zur Beseitigung der Gefährdungslage geeignet und notwendig sind sowie Einbezug einer insofern erfahrenen Fachkraft (vgl. auch Meysen/Schindler 2004).

Grundlage für das Vorgehen ist der Handlungsleitfaden „Kinderschutz in der Schule“ der im Oktober 2013 von der Aufsichts– und Dienstleistungsdirektion Trier in erster Auflage er­schienen ist.


Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung

Die nachfolgend aufgeführten Anhaltspunkte sind keine abschließende Auflistung, sie erfassen nicht alle denkbaren Gefährdungssituationen.

Äußere Erscheinung des Kindes
  • Massive oder wiederholte Zeichen von Verletzungen (z.B. Blutergüsse, Striemen, Narben, Kno­chenbrüche, Verbrennungen) ohne erklärbar unverfängliche Ursache bzw. häufige Kran­kenhausaufenthalte aufgrund von angeblichen Unfällen
  • Starke Unterernährung
  • Fehlen jeder Körperhygiene (z.B. Schmutz- und Kotreste auf der Haut des Kindes/ faulende Zähne)
  • Mehrfach völlig witterungsunangemessene oder völlig verschmutzte Bekleidung
Verhalten des Kindes
  • Wiederholte oder schwere gewalttätige und/oder sexuelle Übergriffe gegen andere Personen
  • Kind wirkt berauscht und/oder benommen bzw.im Steuern seiner Handlungen unkoordiniert (Einfluss von Drogen, Alkohol, Medikamenten)
  • Wiederholtes apathisches oder stark verängstigtes Verhalten des Kindes
  • Äußerungen des Kindes, die auf Misshandlung, sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung hinweisen
  • Kind hält sich wiederholt zu unangemessenen Zeiten ohne Erziehungsperson in der Öffentlich­keit auf (z.B. nachts allein auf dem Spielplatz)
  • Kind hält sich an jugendgefährdenden Orten auf (z.B. Stricherszene, Lokale aus der Prostituti­onsszene, Spielhalle, Nachtclub)
  • Offensichtlich schulpflichtige Kinder bleiben ständig oder häufig der Schule fern
  • Kind begeht gehäuft Straftaten
Verhalten der Erziehungspersonen der häuslichen Gemeinschaft
  • Wiederholte oder schwere Gewalt zwischen den Erziehungspersonen
  • Nicht ausreichende oder völlig unzuverlässige Bereitstellung von Nahrung
  • Massive oder häufige körperliche Gewalt gegenüber dem Kind (z.B. Schütteln, Schlagen)
  • Häufiges massives Beschimpfen, Ängstigen oder Erniedrigen des Kindes
  • Gewährung des unbeschränkten Zugangs zu gewaltverherrlichenden oder pornographischen Medien
  • Verweigerung der Krankheitsbehandlung oder der Förderung behinderter Kinder
  • Isolierung des Kindes (z.B. Kontaktverbot zu Gleichaltrigen)
 Familiäre Situation
  • Obdachlosigkeit (Familie bzw. Kind lebt auf der Straße)
  • Kleinkind wird häufig oder über einen langen Zeitraum unbeaufsichtigt oder in Obhut offenkun­dig ungeeigneter Personen gelassen
  • Kind wird zur Begehung von Straftaten oder sonstigen verwerflichen Taten eingesetzt (z.B. Diebstahl, Bettelei)
  • Persönliche Situation der Erziehungspersonen der häuslichen Gemeinschaft
  • Stark verwirrtes Erscheinungsbild (führt Selbstgespräche, reagiert nicht auf Ansprache)
  • Häufige berauschte und/oder benommen bzw. eingeschränkt steuerungsfähige Erscheinung, die auf massiven, verfestigten Drogen-, Alkohol bzw. Medikamentenmissbrauch hindeutet
Wohnsituation
  • Wohnung ist stark vermüllt, völlig verdreckt oder weist Spuren äußerer Gewaltanwendung auf (z.B. stark beschädigte Türen)
  • Nichtbeseitigung von erheblichen Gefahren im Haushalt (z.B. durch defekte Stromkabel oder Steckdosen, Herumliegen von „Spritzbesteck“)
  • Das Fehlen von eigenem Schlafplatz bzw. von jeglichem Spielzeug des Kindes, Einsperren)

Vorgehen in Krisensituationen

Die Vorgehensweise in akuten Krisen wird im Krisen-Kompass sowie im Notfall Ordner KiT-A beschrieben und wird durch die beteiligten Fachkräfte immer auf dem aktuellen Stand gehalten.

Standorte Krisenfallordner:

  • Schulleitung
  • Sekretariat
  • Lehrerzimmer
  • Büro der Schulsozialarbeit

Mögliche Krisensituationen:

 

Wichtige Telefonnummern im Krisenfall:

Schule:

  dienstlich privat mobil
Schulleiterin:
Frau Schmidt
06501-9470-10 06581-995351 0170-709090919
1. Konrektorin:
Frau Engler
06501-9470-12 06501-13148 0171-8036290
2. Konrektor:
Herr Sehr
06501-9470-13 06582-9935898 0151-28093724
päd. Koordinator:
Herr Zöpfchen
06501-9470-19 06580-913636 0170-9349477
FOS Koordinatorin:
Frau Hütte
    0176-41520630
Schulsozialarbeiter:
Herr Dewald
06501-9470-54 0651-46823969 0170-9349477

 

Notruf

  Rufnummer Kurzwahl
Feuerwehr 112 8000
Polizei 110 8001
Polizeiwache Konz 06501-9268-0  
Polizeiinspektion Saarburg 06581-9155-0  
Rettungsdienst 112 8000
Hausmeister 06501-9470-50 8888

 

Gymnasium

Sekretariat 06501-9470-30
Schulleitung 06501-9470-49

 

Arzt

Dr. Schauer 06501-3023

 

Medizinische Hilfe

Frau Thome-Schütte 0151-24027148
Herr Proost 0176-23605426
Herr Sehr 0151-28093724

 

Schulpsychologischer Dienst

Sekretariat 0651-45399
0651-41645

 

PSU (Psychosoziale Unterstützung)

Über 110, 112, 19222 können PSU Kräfte angefordert werden

Beratungsstelle „Psychosoziale Notfallversorgung“

0261/9729-1166

Notfallseelsorge

N.N.       

Sozialraumzentrum Konz

06501/ 8099770

Jugendamt

Bettina Weis 0651-715-234
Christoph Klaeser 0651-715-135
Severine Thömmes 0651-715-274

 

Schulelternsprecher

  Telefon Mail
Bernd Krewer 06501-18448 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Nicole Kinzinger    Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Schulabstinenz

Im Bereich der Schulabstinenz greifen zunächst die zuvor beschriebenen Mechanismen. Hier gilt es aber ein eigenständig strukturiertes Programm der Schule aufzulegen, um den ver­schiedenen Hintergründen des Fernbleibens von Schülern aus der Schule adäquat zu begeg­nen.

Diese Ausführungen werden alsbald diesem Konzept hinzugefügt.